Air cooled. four stroke, parallel twin, OHV, 2 valve per cylinder.
Capacity
654
Bore x Stroke
75 x 74 mm
Compression Ratio
9.0:1
Induction
Ignition /
Starting
Max Power
54 hp @ 7250 rpm
Max Torque
Transmission /
Drive
4 Speed / chain
Frame
Tubular double cradle frame
Front Suspension
Telescopic forks
Rear Suspension
swinging arm rear suspension, drum
Front Brakes
Drum
Rear Brakes
Drum
Front Tyre
Rear Tyre
Dry-Weight
185 kg
Fuel Capacity
Mit der A65 Star Twin begann
bei BSA in Birmingham 1962 eine neue Motorradgeneration. Anstelle der
traditionell-zerklüfteten Triebwerkskonstruktion präsentierte sich das 650er
Topmodell mit einem formschönen und glattflächigem Blockmotor.
Anfang der sechziger Jahre war in England mächtig was los. In den Clubs und
Kellerbars brodelte und kochte es. Neumoderne Musik aus den USA brachte
Mordsstimmung ins Gebälk, eine ganze Generation steckte im Rock`n`Roll-Fieber.
Stunden- und nächtelang, tagein-tagaus wurden die Stücke von Chuck Berry und
Little Richard gedudelt. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Im Oktober
1962 veröffentliche eine junge Band mit dem Namen „The Beatles” ihren ersten
Song: „Love Me Do”. Daß die „vier Pilzköpfe” aus Liverpool nur wenig später
die gesamte Musikwelt auf den Kopf stellen würden, es in kürzester Zeit zu
Weltruhm brächten und als „Top-Four” in die Musikgeschichte eingehen würden,
ahnte von den Erwachsenen wohl keiner. Ganz anders die Fans. Die jugendliche
Subkultur schrie regelrecht nach dieser Musik. Nicht ohne Folgen. Die
etablierte Gesellschaft war geschockt, bezeichnete die Kids als „Halbstarke”
und „Rocker”. Aber nicht nur Rock`n`Roll und Beat-Musik war daran schuld, auch
das eigenwillige Benehmen, die langen Haare, schwarzen Lederjacken, engen
Jeans, Cowboystiefel und vor allem die lauten Motorräder, mit denen sie die
Straßen unsicher machten, sorgten allgemein für Empörung und Schlagzeilen in
der Presse.
Keinerlei Anlass für Rechtfertigungen oder Erklärungen hatte dagegen die
englische Motorradindustrie. Sie war weltweit die Nummer Eins, angeführt vom
Marktführer BSA (Birmingham Small Arms). Das Werk im Birminghamer Stadtteil
Small Heath produzierte jährlich über 75.000 Maschinen, 1961 konnte die
Firmenleitung sogar einen Rekordgewinn von dreieinhalb Millionen Pfund
verbuchen. Den Haupterlös brachte der Exporthandel mit Amerika. Ganz anders
als in England, und überhaupt kein Vergleich zu Deutschland, bestimmte in den
USA eine vollkommen neue, motorradverrückte Generation das Geschäft; etwas,
wovon die Branche in der „alten Welt” nur träumen konnte. Schon seit einiger
Zeit mußte man in Großbritannien einen Verkaufsrücklauf verzeichnen. In
Deutschland waren von den einst über 40 Motorradherstellern lediglich noch
BMW, NSU, DKW, Maico und Hercules übrig geblieben. Wer Anfang der Sechziger
bei uns etwas auf sich hielt, fuhr Auto, Motorradfahrer waren die „armen
Schweine”.
Die jungen Motorradfans in den Staaten dagegen hatten längst ihre eigenen
Straßenkreuzer oder Pick-ups, genossen das Leben, die Liebe, feierten Parties
und waren sowieso immer supergut drauf. Das Bike war für sie Hobby, ein
Gefährt für Spaß und Sport. Hoch im Kurs standen leistungsstarke 650er
Donnerbolzen mit hervorragenden Sprint- und Top-speed-Eigenschaften,
exzellenten Fahrwerken und guten Bremsen. Und hier hatten Norton, Triumph, BSA
und Co. einiges zu bieten. Was allerdings kein US-Biker wollte, war ständig
mit ölverschmierten Händen an der Maschinerie herumzuwerkeln. Aber genau das
kam immer wieder vor. Die „klassisch englische Motorenbaukunst” hatte nämlich
ihre Tücken. Mal waren es abvibrierte Auspuffhalterungen, dann die verstellten
Vergaser oder Zündanlage, ein anderes Mal eine defekte Dichtung, die die
Maschine zur „Ölsardine” machte, auch kein Wunder. Über Jahrzehnte hinweg
hatten sich bei den Motorkonstruktionen von der „grünen Insel” nichts geändert.
Die kernigen OHV-Parallel-Twins mit separater Magnetzündanlage und
Lichtmaschine, eigenem Primärkasten und angeblocktem Getriebe waren
ausgesprochen pflege- und wartungsintensiv. Meist war vor der Spritztour erst
einmal „Schlossern” angesagt und bevor es dann endlich losging, wurden
sicherheitshalber noch schnell einige Ersatzteile und das dafür erforderliche
Werkzeug eingepackt.
Triumph, BSA größter Widersacher, reagierte auf die Belange der US-Kundschaft
und bot ab 1957 die 350er 3TA, ein Jahr später die 500er 5TA und ab 1961 alle
Modelle mit dem neuen Blockmotor an. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht
so aussah, optisch hatten die Triumph-Techniker die traditionelle
Motorbauweise weiterhin beibehalten, im vertikal getrennten Gehäuse waren
Kurbelwelle, Primärantrieb, Kupplung, Getriebe, und hinter den Motordeckeln
versteckt waren Zündanlage und Lichtmaschine gemeinsam untergebracht. Die
Bemühungen sollten sich lohnen, in Windeseile sprach sie die Qualität der
neuen Triumphs herum.
Bei BSA konnte man eigentlich mit den Verkaufserfolgen der A10 Modelle
zufrieden sein. Seit 1950 waren die 650er im Programm. Zunächst war das
35-Horsepower starke Triebwerk, mit 70mm Bohrung und 84mm Hub, woraus sich 646
ccm ergaben, in einem Einrohrrahmen mit Telegabel und Gradewegfederung
eingebaut. Um die Qualität des Bikes unter Beweis zu stellen, beteiligte sich
das Werk 1952 bei dem Rekordmeeting auf dem Bonneville-Salzsee in Utah/USA.
Die fast serienmäßige, allerdings mit Alkohol-Treibstoff betriebene A10,
erreichte damals sensationelle 230,9 Stundenkilometer. Ab 1954 gab es die A10
mit modernem Doppelschleifenrahmen, die Führung des Hinterrades übernahm nun
eine Schwinge mit zwei Federbeinen. So beliebt die A10 war, so klangvoll waren
auch ihre Namen. Im Laufe der Jahre hieß sie Golden Flash, Super Flash, Road
Rocket, Spitfire Scrambler (Exportmodell für die USA), Super Rocket und Rocket
Gold Star. Zum Schluß der A10-Modellreihe leistete das mittlerweile auf 9:1
verdichtete BSA-Superbike Rocket Gold Star beachtliche 46 bhp bei 6250 U/min
und brachte den Power-Bolzen auf knapp 180 km/h.
Wollte der britische Motorradgigant seine Marktposition weiterhin behalten,
mußten sich die Manager etwas einfallen lassen. Aus Kundenbefragungen, aber
auch Importeursrückmeldungen wußte man bereits seit längerem, daß eine neue
Modellpalette überfällig war. Schon Ende der fünfziger Jahre begann unter der
Leitung des Chefkonstrukteurs Bert Perrigo und seinen Mitarbeitern Len Crisp
und Bill Johnson die Entwicklung eines neuen Triebwerkes. Für die damalige
Zeit war diese Ausführung revolutionär, hatte sie mit der „klassisch
englischen Motorenbaukunst” doch nichts mehr gemeinsam. Nach über 30 Jahren
verabschiedete sich 1962 das Birminghamer Werk vom zersplitterten
Motorbauprinzip, sowie dem eingegossenen BSA-Logo: drei gekreuzte Gewehre im
Steuerdeckel. Das neue Triebwerk bestand nun aus einem glattflächigem Block
mit poliertem Seitendeckel, in dem Kurbelwelle, Primärantrieb, Kupplung,
Vierganggetriebe, Lichtmaschine und Zündanlage in einem eiförmigen
Motorgehäuse untergebracht waren. Der Motor war äußerst kompakt, die
Herstellung ließ sich vereinfachen und half somit die Produktionskosten zu
senken.
Innerhalb des Leichtmetall-Gehäuses hatte sich dagegen kaum etwas verändert.
Hinter den blankpolierten Deckeln werkelte weiterhin „altbekannte” Mechanik.
Immer noch drehte sich eine geschmiedete einteilige Kurbelwelle, mit ihrem
gewaltigen, mittig verschraubten Schwungrad, rechtsseitig in einem Gleitlager
und auf der linken Primärseite in einem Kugellager. Die beiden Alu-Kolben, mit
zwei Kompressionsringen und einem Ölabstreifring, marschierten im
Gleichschritt im Gußzylinder auf und ab. Aus dem neu gewählten, fast
quadratischen Bohrung x Hub-Verhältnis 75 x 74 mm ergaben sich genau 654 ccm.
Die Steuerung des OHV-Kurzhubers war ebenfalls nichts Neues. Über zwei
Stirnräder wurde die hinter dem Zylinderfuß untenliegende Nockenwelle
aktiviert. Ebenfalls eine interessante Neuerung war die stabile Triplex-Primärkette,
die sich im Hand-umdrehen von außen nachspannen ließ und die
Batterie-Spulenzündung mit zwei Unterbrecherkontakten. Auf Kundenwunsch bekam
man die A65 sogar mit 12-Volt-Wechselstromgenerator von Lucas. Bei der
Ölversorgung vertrauten die BSA-Ingenieure um Bert Perrigo auf die
Trockensumpf-Schmierung mit externem 3,4 Liter fassenden Öltank im
rechtsseitigen Rahmendreieck. Zwar war das rechtsgeschaltete Vierganggetriebe
nun direkt im Motorblock stationiert, die Zahnräder liefen jedoch in einem
geschlossenen Gehäuse und wurden von 90er Getriebeöl umspült. Im Falle eines
Getriebeschadens ließ sich die Schaltbox, ohne daß der Motor ausgebaut und
zerlegt werden mußte, sogar herausnehmen. Den Antrieb zum Hinterrad übernahm
eine Rollenkette, gegen Aufpreis gab es einen geschlossenen Kettenkasten. Die
Gemischaufbereitung erledigte ein 11/8-Zoll-Amal-Monobloc-Vergaser Typ 389 mit
Trockenluftfilter. Kaum gedämpft gelangten die Abgase durch eine 2in2
Auspuffanlage ins Freie.
Eingebaut war der luftgekühlte Viertakt-Twin in das bewährte, aber für die
neue Aufgabe modifizierte, Doppelschleifen-Fahrwerk von der A10. Eine
Telegabel übernahm die Führung des Vorderrades, hinten sorgte eine Schwinge
aus Stahlrohren mit zwei vierfach verstellbaren Girling-Federbeinen für
Fahrkomfort und gute Straßenlage. Als Stopper dienten Simplex-Leichtmetall-Vollnaben-Trommelbremsen,
im Vorderrad mit 200 mm und hinten mit 180 mm Durchmesser. Für sicheren
Kontakt zur Fahrbahn waren vorne ein 3.25 x 18 und hinten ein 3.50 x 18 Pneu
zuständig. Die Ausstattung entsprach damaligem Standard. In den Stahlblechtank,
mit dem seitlichen charakteristischen BSA-Sternmotiv, passten 18 Liter Sprit,
im Lampengehäuse war ein Amperemeter untergebracht, ein großer Tachometer
zeigte die Geschwindigkeit an. Gegenüber der A10 war die neue A65 gut 16
Kilogramm leichter, fahrfertig brachte sie rund 185 Kilogramm auf die Waage.
Im Frühjahr 1962 präsentierte BSA die A65 Star Twin. Doch die Begeisterung der
Motorradfahrer war alles andere als euphorisch. Für sie war die Optik zunächst
sehr gewöhnungsbedürftig. Ihrer Meinung nach war die A65 kein echtes „englisches”
Motorrad mehr. Mit einem so massiven Bruch alter Traditionen hatte schließlich
niemand gerechnet. Aber auch von der erhofften Sportlichkeit kam wenig rüber.
Die A10 Rocket Gold Star leistete stramme 46 bhp, dagegen kam die neue
Tourensportmaschine Star Twin gerade mal auf komode 38 bhp bei 5800 U/min.
Vergessen war die Kritik allerdings nach dem ersten Fahreindruck. Die A65 sah
nicht nur wie eine „250er” aus, sie fuhr sich auch so. Sie begeisterte mit
einem tadellosem Handling, das Chassis war spurstabil, die Sitzposition
ausgesprochen bequem. Ganze Arbeit hatten die BSA-Techniker beim Motor
geleistet. Das Triebwerk war ausgereift und verfügte über eine sehr
ausgewogene Charakteristik. Nach der üblichen Startzeremonie: Schwimmerkammer
des 28er Amal-Monobloc-Vergaser fluten, Lufthebel schließen, Zündung auf „on”
schalten, dann ein beherzter Tritt auf den Kickstarter und der Twin lief.
Diese Prozedur war allerdings kaum anders vorstellbar. Schließlich baute BSA
Motorräder für Männer, für Kunden, die etwas von der Materie verstanden, die
wußten, worauf es ankam. Ein Bike mit E-Starter - nie und nimmer!
War die Star Twin dann in Fahrt, beeindruckte sie mit mächtig Dampf aus dem
Keller, problemlos war schaltfaules Fahren möglich. Wer dennoch gern im
Vierganggetriebe rumrührte, hatte seine helle Freude, die Bedienbarkeit der
Schaltbox war vorbildlich, präzise und genau rasteten die Gänge ein. Auch die
Sprinteigenschaften und das Topspeed überzeugte. Die Vollnaben-Trommelbremsen
ernteten ebenfalls großes Lob. Doch was das Wichtigste war, der Motor blieb
selbst nach längerer Heizerei „trocken”. Und das wollte was heißen. Manch
hartgesottener Tester schwärmte aber auch von einem „samtweichen” Motorlauf.
Im Vergleich zu den bisher bekannten „Schüttelböcken” mag das ja stimmen, doch
ganz ohne die obligatorischen Vibrationen ging's nicht. Spätestens wenn sich
die Kurbelwelle über 5000 mal pro Minute drehte, war das bekannte „Kribbeln”
in Händen, Füßen und Sitzfleisch deutlich zu spüren. Für viele war das
allerdings auch wichtig, denn zu einer echten Männer-Maschine gehörten eben
auch anständige Vibrationen.
Bei der A65 Star Twin sollte es nicht bleiben. Bereits im Oktober 1963
erweiterte BSA die 650er-Block-Motor-Modellreihe mit der A65 Rocket. Eine
scharfe Nockenwelle, verstärkte Ventilfedern und die Erhöhung der Verdichtung
von 7,5:1 auf 9:1 ließen die Leistungsausbeute auf 45 bhp bei 6250 U/min
klettern. Ohne wesentliche Modifikationen diente in der A65-Baureihe der
Blockmotor bis zur Werksschließung 1973 als Antriebsaggregat. Wieder waren es
so klangvolle Namen wie Lightning, Lightning Clubman, Thunderbolt, Hornet,
Firebird Scrambler und Spitfire, mit denen man die Modelle bedachte. Doch die
Zeichen der Zeit standen gegen die kernigen Parallel-Twins aus Birmingham.
1973 kam für BSA das „Aus”.
Technische Daten BSA A65 Star Twin - 1963
Motor:
Fahrtwindgekühlter Zweizylinder-Viertakt- Reihenmotor, eine untenliegende,
über Stirnräder getriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder über Stößel,
Stoßstangen und Kipphebel betätigt; Bohrung x Hub 75 x 74 mm; Hubraum 654 ccm;
Verdichtung 6,5:1; Leistung 38 bhp bei 5800/min; Trockensumpfschmierung 3,4
Liter Motoröl; ein Amal-Monobloc-Vergaser, Ø 28 mm; Trockenluftfilter;
Batterie-Spulen-Zündanlage; auf Wunsch 12-Volt- Wechselstromgenerator von
Lucas
Getriebe:
Primärantrieb über Triplex-Kette; Mehrscheibenkupplung im Ölbad;
Vierganggetriebe mit eigenem Ölvorrat; Endantrieb über Einfach-Rollenkette
Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen; Telegabel; Stahlrohr-Hinterradschwinge mit zwei
hydraulisch gedämpften vierfach verstellbaren Gerling-Federbeinen; vorne
Simplex-Vollnaben-Trommelbremse, Ø 200 mm; hinten Simplex-Vollnaben-Trommelbremse,
Ø 180 mm; Speichen-Räder mit Stahl-Felgen; Bereifung vorne 3.25 x 18 und
hinten 3.50 x 18; Tankinhalt 18 Liter; Gewicht 185 kg.
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